Yarn Review: Tamar, ein neues Garn von Blacker Yarns

Eine liebe Freundin von mir ist ein Trüffelschwein, was Wolle betrifft. Immer neugierig, jederzeit interessiert an besonderen Wollsorten und außerdem andauernd auf der Suche nach der eierlegenden Wollmilchsau. Und so überrascht es auch kaum, dass immer wieder kleine Strängelchen zum Testen bei ihr landen – und einer davon auch bei mir.

 

Wunderschön, gell?

Wunderschön, gell?

Blacker Yarns spinnt und färbt nicht nur für viele Herrsteller (hehe, jetzt würdet ihr wohl gerne wissen für wen?), sondern hat auch ein besonderes Sortiment an eigenen Garnen, die zum Teil von seltenen Schafrassen stammen. Manche davon gibt es nur kurze Zeit – so lange eben die Wolle in der bestimmten Naturfarbe reicht – und immer öfter beschert uns Blacker auch im ständigen Sortiment ungewöhnliche Garne, so hier auch Tamar, das es als DK (220m/110g) und in Sockenwollstärke/Fingering (350 m/100g) gibt.

 

Ich hatte ja das Teststränglein schon Anfang März bekommen, entzückend verpackt, und es hätte eigentlich gleich losgehen sollen, aber dann kam ein Ausflug nach Edinburgh dazwischen… und dort gab es auch keinen Weg vorbei an Blacker, die ihren Stand im großen Strick- und Tratschraum hatten. Es sind schon recht schöne Farben, in der sich Tamar präsentiert… und das erste Muster, ein Schal (Gwindra, gratis!), ist auch entzückend! Ich war jedenfalls nicht die einzige, die mal so ein, zwei (naja, vier… ehem) Stränge für eben dieses eine Tuch und noch was anderes mitgehen hat lassen (bezahlt natürlich, nicht geklaut).

 

Das einzige Foto vom Blacker Stand, wo nicht nur die Rücken zahlreicher Kundinnen im Bild waren

Das einzige Foto vom Blacker Stand, wo nicht nur die Rücken zahlreicher Kundinnen im Bild waren

 

Tamar is a lustre blend yarn with a fluid sheen, reminiscent of flowing water and the river which gives this blend its name. This luxurious lustre yarn has been worsted spun to enhance the fibre’s inherent drape and shine.

 

Auf den ersten Eindruck wirkt die Beschreibung etwas widersinnig, denn glänzend wäre mir nicht in den Sinn gekommen, ob des Halo und der Farbtiefe, die noch die Naturfarbe der Schafwolle durchscheinen lässt. Wuschelig, aber nicht schimmernd, und irgendwie bockig, aber sicher nicht fließend, und Wasser schon gar nicht.

 

Diese Eigenschaften, offenbaren sich erst in der Verarbeitung, denn hier wurden Wensleydale (die mit den lustigen Locken), Teeswater (auch lockig) , Cotswold und Black Leicester Longwool verarbeitet, die eigentlich recht unelastisch sind, schlank und elegant. Die Verarbeitung als Kammgarn unterstützt das auch noch, sodass selbst der 30% Anteil von Cornish Mule nicht wirklich viel mehr als dringend notwendige Elastizität liefert. Dazu auch noch die leichte Verzwirnung und heraus kommt ein Garn, das meiner Ansicht nach locker gestrickten, weich fallenden Geweben schreit, und dabei auch noch so aussieht, als wäre es zugeflauscht. Zöpfe und plastische Muster werden vermutlich untergehen und nicht – wie oft gewünscht – hervorstechen, sondern sich sanft in das Gestrick einschmiegen, sodass man sie manchmal vielleicht eher erahnen als sehen kann.

Darf ich vorstellen? Super-Fuzzy-Garn

Darf ich vorstellen? Super-Fuzzy-Garn

 

Hab ich die Farben erwähnt? Sie wirken sehr natürlich und bei einigen glaubt man, die hellere Nuance sei einfach nur die ausgewaschene Variante der dunkleren, sodass sehr harmonische Farbkombinationen möglich sind. Außerdem hat mindestens eine der Schafrassen dunkle Wolle, weshalb ihr Schatten auch eine schöne Farbtiefe ermöglicht. Ich mochte die Limettenfarbe Tiddy Brook ganz besonders – nur steht sie mir leider nicht – und außerdem gibt es ein fantastisches Dunkelgrün (Whitey Brook), das gar nicht flach wirkt, wie viele andere dunkle Färbungen.

 

Sehr natürliche Farben... seht ihr das Dunkelgrün in der Mitte?

Sehr natürliche Farben… seht ihr das Dunkelgrün in der Mitte?

Ich habe aus 5g der Testwolle eine Maschenprobe auf glatt rechts gestrickt, und bin – als alte Kevlar-Strickerin – trotzdem auf eine Maschenprobe von 30 M auf 10 cm gekommen, die beim Waschen auch nicht mehr viel aufgegangen ist. Obwohl ich befürchtet habe, dass die reduzierte Elastizität meine etwas lockeren linken Maschen sichtbar macht, haben sie sich nach dem Waschen wunderbar ausgeglichen. Nicht gerade weich wenn ungewaschen, gibt sich das etwas nach einem Bad im Wollwaschmittel (hier benutzt: Soak), wobei ich glaube, dass das Garn wohl nie kuschelweich sein wird, vor allem nicht fest verstrickt.

Maschenprobe in glatt rechts

Maschenprobe in glatt rechts

Für meine zweite Maschenprobe musste ich etwas länger überlegen, denn schließlich wollte ich etwas finden, was dem Garn gerecht wird, und seine positiven Eigenschaften hervorhebt – und ich hoffe, es ist mir gelungen: Die Maschenprobe in einem sehr klassischen Lochmuster ließ sich spannen wie eine Eins, und hält sich fantastisch, da zieht sich nachher nichts wieder zusammen. Aufgrund der lockeren Zwirnung und der relativen Inelastizität der Wolle würde ein Tuch schön schwer fallen, und gleichzeitig wirkt das Muster dichter dank des Halos. Eine schöne Kombination.

Tamar Lacemuster

Maschenprobe in einem Lacemuster

Wer so ein spezifisches Garn, mit durchaus verwirrenden, und deshalb besonderen Eigenschaften wählt, ist vermutlich kein Anfänger mehr. Sollte er auch nicht sein, denn ob der lockeren Verzwirnung sticht man schnell zwischen die Fäden, und das kann Neulinge doch entmutigen. Ich habe jedenfalls mit meinen stumpfen 4 mm Edelstahlnadeln (von Hiya Hiya, aber die weniger spitzen mit dem grünen Seil) immer wieder mal eine nur halb gestrickte Masche retten müssen… aber vielleicht liegt es ja auch an mir, und meiner kombinierten Strickweise, die jede S-Zwirnung bei den linken Maschen noch einmal extra aufdreht.

 

Insgesamt ist Tamar ein spannendes Garn, das von den natürlichen Eigenschaften verschiedener seltener Schafrassen lebt und diese über die kommerzielle Nutzung auch in den Fokus der interessierten Öffentlichkeit rücken will. Es ist sicher nicht für Jedermann, aber ich wette, dass jede(r), die/der damit strickt, für sich ganz neue Erfahrungen sammeln können wird. Ich hab es jedenfalls, denn ich habe jetzt eine Alternative zu robusten Flauschlochmustern mit Alpakamischungen (die natürlich auch ganz toll sein können), vor allem eine, die nicht um die ganze Welt geschippert wird, sondern gänzlich aus Europa kommt. Ich freue mich jedenfalls schon sehr darauf, schließlich habe ich auch noch zwei mal zwei Knäuel zu verstricken.

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